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Beitrag von Klaus-Dieter Peters für die Sonderbeilage des THB zum 820. Hafengeburtstag

Die Chancen der Wirtschaftskrise nutzen

Nachdem die Auswirkungen der Finanzkrise im Verlauf des Jahres 2008 immer stärker auf die Realwirtschaft durchschlugen, befindet sich die Weltwirtschaft heute in einer der schwersten Krisen seit 1929. Erstmals seit vielen Jahrzehnten entwickelt sich der Welthandel rückläufig. Da 95 Prozent des interkontinentalen Handels über den Seeverkehr abgewickelt werden, ist die Seehafenverkehrswirtschaft in besonderer Weise betroffen. Wenngleich Ausmaß und zeitlicher Verlauf der Krise derzeit noch nicht absehbar sind, spricht jedoch alles dafür, dass der langfristige Globalisierungstrend mit seiner immer stärkeren weltwirtschaftlichen Verflechtung der Volkswirtschaften ungebrochen ist. Mittelfristig werden der Welthandel und damit das Volumen der weltweiten Güterströme wieder zunehmen.
Trotz der bereits spürbaren Wirtschaftskrise verzeichnete der Hafen Hamburg im Jahr 2008 mit 140,4 Millionen Tonnen Seegüterumschlag das zweitbeste Ergebnis seiner Geschichte. Mit rund 9,7 Millionen umgeschlagenen Standardcontainern (TEU) wurde das Rekordergebnis des Vorjahres nur um 1,5 Prozent unterschritten.
Obwohl der aktuelle Rückgang des Welthandels alle Akteure der maritimen Logistik vor große Herausforderungen stellt, bietet die Krise die einmalige Chance, den seit langem überfälligen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur voranzutreiben.
Die dank der Konjunkturprogramme der Bundesregierung deutlich aufgestockten Infrastrukturinvestitionen kommen auch der see- und landseitigen Anbindung des Hamburger Hafens zugute.
Mit der Umsetzung des nationalen Hafenkonzeptes wird der Bund 2009 und 2010 jeweils rund 12 Milliarden Euro in den Ausbau von Straßen sowie Schienen- und Wasserwegen investieren. Das nationale Hafenkonzept wird von der Hafenwirtschaft ausdrücklich begrüßt. An der bestehenden Aufgabenteilung zwischen Bund und Küstenländern, wonach die Länder für die Hafenentwicklungsplanung und der Bund für den Ausbau der Seehafenhinterlandinfrastruktur zuständig sind, sollte jedoch festgehalten werden, da sich diese Aufgabenteilung in der Vergangenheit als außerordentlich erfolgreich erwiesen hat.

Fahrrinnenanpassung von Unter- und Außenelbe

Das wichtigste Infrastrukturprojekt für den Hamburger Hafen ist und bleibt die überfällige Anpassung der Fahrrinne von Außen- und Unterelbe an die aktuelle Schiffsgrößenentwicklung. Ein problemloses Anlaufen des Hamburger Hafens ist zurzeit nur eingeschränkt möglich. Die weiter wachsende Zahl großer Schiffe der neuesten Generation kann den Hafen nur tideabhängig und in einem knappen Zeitfenster von ein bis zwei Stunden bedienen. Da unter den Nordrange-Häfen ein starker Wettbewerb herrscht, werden Häfen, die aufgrund von Tiefgangsrestriktionen nur eingeschränkt erreichbar sind, für Reeder zunehmend an Attraktivität verlieren. Dem Hafen Hamburg drohen daher Ladungsverluste und im Extremfall die  Abwanderung von Reedereien. Deshalb ist es dringend notwendig, das laufende Verfahren zum Fahrrinnenausbau von Unter- und Außenelbe möglichst schnell zum Abschluss zu bringen.

Bei einem weiteren für die Logistikdrehscheibe Hamburg unverzichtbaren Projekt, der Realisierung der Hafenquerspange zwischen A1 und A7, zeichnet sich eine Lösung ab. So wird der kürzlich vorgestellte südliche Trassenverlauf der Hafenquerspange unter der Voraussetzung einer südlichen Umfahrung des Hafenerweiterungsgebietes Moorburgs von der Hafenwirtschaft
begrüßt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass mit den Hafenunternehmen über die Anbindung ihrer Betriebe an die Hafenquerspange diskutiert wird.

Keine Umnutzung von Hafenflächen

Der Hafen braucht wasserbelegene Flächen für den Umschlag sowie angrenzende Landflächen für vor- und nachgelagerte hafennahe Dienstleistungen. Aufgrund der Lage mitten in der Stadt sind einer Expansion enge Grenzen gesetzt. Die Flächenknappheit hat zur Folge, dass der Hamburger Hafen im internationalen Vergleich eine der höchsten Flächenproduktivitäten aufweist. Die Umschlagunternehmen sind zurzeit dabei, die Effizienz und Produktivität ihrer Anlagen durch erhebliche Investitionen in die Umschlag- und Lagertechnik noch weiter zu erhöhen.
Die bereits bestehende Flächenknappheit und die eingeschränkten Expansionsmöglichkeiten haben allerdings auch zur Folge, dass der Hafen jeden „Quadratzentimeter“ an Hafenflächen benötigt. Seit mehreren Monaten wird über eine Verlagerung bzw. Teilverlagerung der Universität auf den Kleinen Grasbrook diskutiert. Auch wenn die Notwendigkeit einer Sanierung der Universität von der Hafenwirtschaft anerkannt wird, werden Szenarien, die eine Verlagerung der Universität auf den Kleinen Grasbrook vorsehen, kritisch bewertet, da gerade diese Flächen auch für Universalhafen Hamburg unentbehrlich sind. Unabhängig davon wird sich die Hafenwirtschaft konstruktiv an der Diskussion beteiligen.

Ausblick

Der Hafen Hamburg hat die einmalige Chance, seine hervorragende Stellung im Wettbewerb durch vorausschauende Planung und antizyklisches Handeln weiter auszubauen. Deshalb sollte die Atempause beim Umschlag dazu genutzt werden, die Infrastruktur instand zu setzen und auszubauen. Dann ist der Hafen für die Herausforderungen der kommenden Jahre gut aufgestellt und wird an dem absehbaren Aufschwung in besonderer Weise partizipieren. Dabei kommt Hamburg als bedeutendster Logistikdrehscheibe Nordeuropas nicht nur eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung der durch sie verbundenen Volkswirtschaften zu. Dank seiner günstigen verkehrsgeografischen Lage und der optimalen Verknüpfung ökologisch vorbildlicher Verkehrsträger wie Überseeschiff und Bahn zu leistungsfähigen Transportketten kann der Hamburger Hafen auch einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz im europäischen Güterverkehr leisten.

Beitrag für die Sonderbeilage des THB zum 820. Hafengeburtstag
Von Klaus-Dieter Peters
Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg und
Vorsitzender des Vorstands der Hamburger Hafen und Logistik AG

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