Mattentwiete 2
20457 Hamburg
 
Postfach 11 02 03
20402 Hamburg
 
Telefon: (040) 37 89 09 - 0
Telefax: (040) 37 89 09 - 70
E-Mail: info@uvhh.de
http://www.uvhh.de

Beitrag von Gunther Bonz für die Sonderbeilage der DVZ

„Qualitätskriterien der Zukunft im Hafenwettbewerb: So muss Hamburg punkten“

Das Wettbewerbsumfeld nicht nur des Hamburger Hafens hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verändert. Die Anzahl der Wettbewerbshäfen hat zugenommen, die Schiffsgrößenentwicklung mit erheblichen Investitionsfolgen gerade bei den Terminals, höhere Qualitätsanforderungen, zunehmende staatliche Regulierungen sowie nicht zuletzt steigende Energiepreise sind nur einige Stichworte. Erhebliche Überkapazitäten und für den Betrieb von Schiffen nicht auskömmlichen Frachtraten haben zur Folge, dass die Kunden der Häfen, die Reeder, vor erheblichen Restrukturierungsanforderungen stehen. Im Segment der Containerschiffsflotte wird die Anzahl der sog. Großcontainerschiffe („ULCS“ >10000 TEU) bezogen auf das Jahr 2010 bis 2014 um 270 % zunehmen.  Entfielen in 2010 nur  ca. 6% der Transportkapazität auf Schiffe > 10.000 TEU werden bereits in 2014 ca. 20% der  dann weltweit existierenden Transportkapazität auf diese Schiffsgröße entfallen – mit zunehmender Tendenz in den Folgejahren.

Trotz des verschärften Wettbewerbs konnte Hamburg seit der Jahrtausendwende deutliche Zuwächse erzielen und seine Marktanteile in vielen Umschlagsbereichen, nicht zuletzt beim Container, weiter ausbauen.

Bereits heute werden rund 70 Prozent des deutschen seewärtigen Außenhandels über die deutschen Seehäfen abgewickelt. Hamburg ist mit über 33 Prozent dabei wichtigster Hafen für die deutsche Exportwirtschaft. Die deutsche Wirtschaft schlägt aber mehr Güter über den Hamburger Hafen um. Über 100 Liniendienste verbinden den Hamburger Hafen direkt mit rund 700 weltweiten Hafenstandorten. Täglich verlassen rund 200 Züge den Hamburger Hafen ins Hinterland. Eine Vielzahl an LKWs übernimmt die Feinverteilung der Güter auf den kurzen und mittleren Distanzen in und um Hamburg

Dieser Erfolg lässt sich auf folgende Faktoren zurückführen:

Die verkehrsgeografische Lage: Hamburg ist ideal positioniert zwischen den aufstrebenden Volkswirtschaften in Mittel- und Osteuropa sowie den dynamischen Wirtschaftsregionen in Übersee, wie etwa Fernost oder auch Südamerika. Darüber hinaus liegt Hamburg rund 100 km im Binnenland. Der Transport mit dem Schiff ist in Bezug auf die Transportleistung (Tonnenkilometer) deutlich günstiger als landseitige Transportmittel - auch  in punkto Emissionen ist das Schiff der umweltfreundlichste Verkehrsträger.

Die Hamburger Hafenwirtschaft hat diese günstige Ausgangsposition seit vielen Jahren aktiv genutzt und vorausschauend geplant. Jahr für Jahr werden Millionenbeträge in die Effizienzsteigerung und die Modernisierung der Hafenanlagen investiert, um die Leistungsfähigkeit, die hohe Qualität und die Zuverlässigkeit zu halten und auszubauen.

Dank vorausschauender Entscheidungen unser Väter hat Hamburg sein Hinterland frühzeitig mit einer sehr guten Eisenbahninfrastruktur erschlossen. In 2011 sind per Eisenbahn 2 Mio. Container zum und vom Hafen Hamburg transportiert worden. Nicht nur im europäischen Vergleich ein absoluter Spitzenwert.

Die im Hamburger Hafen tätigen Umschlagsunternehmen können auf den vorhandenen hoch leistungsfähigen und weiterhin im Ausbau befindlichen Containerterminals bis zu 25 Mio.TEU in 2025  abwickeln – ausreichend Umschlagskapazität für die Zukunft.

Eine schnelle Realisierung der Fahrrinnenanpassung von Unter- und Außenelbe ist aufgrund der Schiffsgrößenentwicklung äußerst dringlich.  Die Elbe ist die Lebensader des Hamburger Hafens, wenn diese nicht mehr „funktioniert“, kommt es zum Stillstand. Die seewärtige Erreich­bar­keit des Hamburger Hafens für Schiffe der neuesten Generation bildet die Basis für eine positive Umschlagsentwicklung im Hafen.  Mit der bevorstehenden Vertie­fung und Verbreiterung der Elbe wird der Seeweg nach Hamburg an diese Ent­wicklung angepasst. Planungs- und Genehmigungszeiträume von 12 Jahren und länger werden wir uns auf Dauer allerdings nicht mehr leisten können. Das deutsche „Planungsgebäude“ ist sanierungsbedürftig und muss vollständig renoviert werden bevor es so marode ist, dass es einstürzt.

Die Anforderungen an und durch den weltweiten Warentransport werden weiter zunehmen. Künftig wird neben der Qualität und Zuverlässigkeit im Hafenumschlag  die Anbindung des Hafens an das europäische Hinterland im Hafenwettbewerb eine entscheidende Rolle bei der Wahl des Anlaufhafens einnehmen. Sogenannte Transeuropäische Verkehrsachsen werden in Brüssel geplant und wer diese am schnellsten umsetzt, wird die Nase im Wettbewerb um das Hinterland in einer arbeitsteiligen Weltwirtschaft vorn haben. Wir müssen alle Anstrengungen auf die Ertüchtigung und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur legen. Die Metropole Hamburg hat jahresbezogen die meisten Staus auf den wichtigen Straßenverkehrsachsen in Deutschland.  Gerade in Zeiten knapper Kassen bedarf es hier deshalb  einer neuen Prioritätensetzung.

Der Umschlag und der Weitertransport der Güter im Hamburger Hafen und in sein Hinterland muss effizient gestaltet und am Bedarf orientierend ausgebaut werden. Mit Blick auf die Projekte, wie Fortführung der A26 (Hafenquerspange), Neubau der Schienenstrecke zwischen Hamburg/Bremen nach Hannover (Y-Trasse) sowie auch die hafeninterne Verkehrsinfrastruktur (rechtzeitiger Ersatz der Köhlbrandbrücke), besteht hier dringender Handlungs- bzw. Umsetzungsbedarf, von dem Sanierungsbedarf des in die Jahre gekommenen Straßenverkehrsnetzes ganz zu schweigen.

Die wirtschaftlichen Aktivitäten des Hafens generieren einen Anteil am Steueraufkommen der Stadt Hamburg von rund 11 Prozent und der Hafen ist damit die wirtschaftlich mit Abstand stärkste Säule für die Stadt. Daneben erhält die Hamburg Port Authority/Stadt Einnahmen aus Mieten, Pachten und Gebühren der Hafenwirtschaft. Ohne hier noch weiter auf die Gesamtwertschöpfung einzugehen, sollte  vor diesem Hintergrund eine steuerliche Grundfinanzierung sichergestellt werden, die es ermöglicht, die dringend erforderlichen Verkehrsinfrastrukturinvestitionen zu tätigen.

Der Welthandel wird weiter, unabhängig von konjunkturellen Schwankungen,  seinen dynamischen Wachstumstrend fortsetzen – mit der entsprechenden Auswirkung für den Seeverkehr. Vorausgesetzt, es wird in eine leistungsfähige und bedarfsgerechte Hinterlandinfrastruktur investiert, dann hat der Hamburger Hafen gute Chancen im Wettbewerb zu bestehen und seine Position weiter auszubauen.

Der Hamburger Hafen braucht keinen neuen (Container) Terminal, sondern moderne und leistungsfähigere Verkehrsanbindungen! Der künftige Hafenwettbewerb wird im Hinterland entschieden.

Pressemitteilung zum Download (0 Bytes)